Stimmen unserer Teilnehmer

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Ronald Bayer, Mühlheim:

An einem kühlen Freitagmorgen im April treffe ich gegen halb neun in der Werkstatt der Fa. Hill ein. Obwohl das Seminar erst um 9 Uhr beginnt, ist außer Herr Hill bereits ein weiterer Teilnehmer vor Ort und so kommt nach der Begrüßung das Gespräch gleich auf die zu überholenden Motoren und unsere Fahrzeuge. Kurz darauf treffen die beiden weiteren Teilnehmer ein und bevor das Seminar richtig begonnen hat, verbindet uns die Gemeinschaft unseres Hobbys namens Kreidler Florett.

Da die vier Arbeitsplätze, die in den nächsten beiden Tagen unsere "Heimat" sein werden, bereits von Herrn Hill mit allen erforderlichen Standard- und Spezialwerkzeugen und einer Motorhalterung bestückt wurden, kann es auch sogleich losgehen.

Als erstes wird der Motor in seine Einzelteile zerlegt. Beim Abbau der äußern Teile, wie Magnetzünder, Kupplung, Zylinder und Kolben, leisten der Motorhalter und die Spezialwerkzeuge gute Dienste. Und wenn mal mehr als zwei Hände benötigt werden, packt jeder mit an. Zum schnellen Fortschritt der Arbeiten trägt ebenfalls bei, dass wir keinerlei Dokumentation durchführen müssen, denn Herr Hill hat das erforderliche Wissen stets parat.

Nach dem Öffnen des Motorgehäuses liegen alle Einzelteile vor uns. In diesem Seminar überholen wir zwei 3-Gang und je einen 4- und 5-Gang Motor, sodass jeder etwas über die gesamte Motorenpalette der Florett lernen kann.

Jetzt erfolgt die Reinigung der Teile, die den schmutzigsten Abschnitt unserer Arbeiten darstellt. Aber dank der vorhandenen Hilfsmittel ist auch das bald erledigt. Bei der Sichtung und Prüfung der Teile geht Herr Hill auch auf mögliche Verbesserungen und die Qualität der am Markt angebotenen Teile ein. Dazu gehören auch Anschauungsobjekte, wie z.B. eine Schautafel mit Kurbelwellenlagern. Mit diesem Wissen kann nun jeder entscheiden, welche Teile seines Motors er ersetzen möchte.

Zwischenzeitlich ist es Mittag geworden und Frau Lenz hat für ein deftiges Essen gesorgt, damit wir bei all der Arbeit nicht verhungern. Auch während des Essens gibt es noch viele Fragen zu unseren Maschinen, auf die uns Herr Hill keine Antwort schuldig bleibt und um so manche Anekdote aus seiner reichen Erfahrung ergänzt.

Doch schon bald geht's wieder an die Arbeit. Herr Hill hat inzwischen auch einen groben Kostenvoranschlag für die benötigten Ersatzteile erstellt, sodass jeder in etwa weis, was auf ihn zukommt.

Beim Aufbau des Motors werden zuerst die alten Lager gegen neue ausgetauscht. Danach setzen wir das Motorgehäuse mit Kurbelwelle und Getriebe zusammen, um die Ausdistanzierung der verschiedenen Wellen vorzunehmen. Hierzu werden die einzelnen Spiele mit einer Messuhr erfasst. Anschließend wird der Motor wieder zerlegt und die Spiele durch unterlegen passender Scheiben auf das richtige Maß gebracht. Nach der erneuten Montage werden die Spiele nochmals überprüft. Damit ist der Rumpfmotor fertig. Die beschriebenen Arbeiten erfordern ein feinfühliges Händchen und sind recht zeitaufwendig, sodass unser erster Arbeitstag damit zu Ende geht.

Frisch ausgeruht starten wir am zweiten Tag mit dem Anbau von Kupplung, Kolben und Zylinder. Danach ist die Einstellung der Kupplung fällig, wobei wieder Feingefühl und die entsprechenden Messwerkzeuge erforderlich sind. Anschließend ist die Überholung des Magnetzünders und dessen Einbau an der Reihe. Da bei den meisten Motoren die Einstellmarken für die Zündung nicht mehr stimmen, wird der OT und der Zündzeitpunkt neu eingemessen und markiert. Jetzt kann die Einstellung von Kontaktabstand und Zündzeitpunkt erfolgen. Nachdem auch noch der Polschuhabstand justiert wurde, darf unser Motor seine ersten Umdrehungen, fremdangetrieben durch eine Bohrmaschine, machen, um dabei gleichzeitig die Stärke des Zündfunkens zu überprüfen.

Jetzt steht noch die Einstellung des Schaltgetriebes und der Anbau der restlichen Teile an, um unser Werk zu Ende zu führen.

Nachdem auch dieser Tag wie im Fluge verging, setzen wir uns zum Abschluss noch mal zusammen, wobei wir unsere Urkunden und Tipps für den Umgang mit dem überholten Motor und die Pflege unserer Maschinen erhalten. Anschließend werden noch die Adressen ausgetauscht und so ist auch schon die Zeit des Abschieds gekommen. Das sich dieser dann doch noch länger hinauszieht, liegt daran, dass jeder noch was zu erzählen hat.

Zum Schluss noch zu den Beweggründen für meine Teilnahme an diesem Seminar. Ich besitze eine Florett Bj. 69, von meinem Vater neu erworben, der viele Jahre harter Alltagsbetrieb und anschließende lange Standzeit hart zugesetzt haben. Mein Ziel ist es, diese wieder in Neuzustand zurückzuversetzen und regelmäßig zu fahren. Um die Motorüberholung möglichst zügig durchzuführen und nicht x-mal wegen irgendeines fehlenden Teiles unterbrechen zu müssen, entschloss ich mich zu diesem Seminar. Aufgrund meiner bisherigen Arbeiten an diversen Fahrzeugen und meines Berufs als Entwicklungsingenieur in der KFZ-Industrie traue ich mir eine fachgerechte Motorüberholung auch alleine zu, aber da Herr Hill alle Teile einer Kreidler beim Vornamen kennt und um ihre Wehwehchen weis, konnte ich, und sicher auch meine "Mitschrauber", eine ganze Menge an neuem Wissen mit nach Hause nehmen.

Positiv fand ich auch, dass alle, unabhängig von ihren Vorkenntnissen, durch Herrn Hills tatkräftige Unterstützung gleichgut vorankamen und während des ganzen Seminars eine prima Stimmung herrschte. So kann ich dieses Seminar nur jedem, der seinen Motor professionell überholen möchte, empfehlen.

Ronald Bayer
Dipl. Ingenieur
Mühlheim