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| Hubert Elster, Romrod |
Erlebnisbericht zum Masterkurs Hubert Elster, Romrod Die Kreidler-Jugendzeit kommt zurück Mit 40 das erleben und erfahren wofür ich mit sechzehn alles was ich hatte gegeben hätte. Wir befinden uns in den Jahren 1979 und 1980. Das Wichtigste in meinem Leben zu dieser Zeit, ich war 16 Jahre alt, war ohne Zweifel mein Moped, meine Kreidler RMC mit großem Motor (6,25PS) Es gab nichts, das mich mehr beschäftigte, mehr Spaß gemacht hätte und das wichtiger war als eben meine erste und einzige 50er Kreidler. Sie war das Größte für mich damals. Sogar die erste Freundin musste in der Rangfolge in die zweite Reihe treten. Wie dem auch sei. Die Kreidler war das Herzstück meines damaligen Lebens. Sie hat mich in die Discos getragen, sie war Statussymbol unter Gleichaltrigen. Sie hat mir die ersten Urlaubsfahrten ohne Eltern, und ich glaube fast auch die schönsten, geschenkt. Wir waren gemeinsam zwei Mal an der Riviera in Italien, in Südfrankreich, wir waren mehrfach in Holland, für ein Jahr lang jedes zweite Wochenende in Münster/Westfalen, immerhin etwa 250 KM von meinem damaligen Wohnort entfernt. Irgendwie waren das damals alles echte Abendteuerfahrten. Schließlich hatte ich so gut wie kein Geld, und Defekte am Moped wären ziemlich schrecklich gekommen. Mit 18 kam dann das erste „richtige“ Motorrad und ein altes klappriges Auto. Aber getrennt hätte ich mich niemals von meiner Kreidler. Ja, ich habe sie noch immer. Ich habe sie nie verkauft. Das wäre mir nicht in den Sinn gekommen. Auch nicht als ich Honda CX 500, Honda CB 900 Bol´Dor fuhr oder Africa Twin oder BMW GS. Niemals. So habe ich sie bei allen Umzügen bis heute, quer durch Deutschland, immer mitgeschleppt. Und das waren nicht wenige. Meine Kreidler aber war immer dabei. Sie hat mich damals nie wirklich im Stich gelassen und ich werde sie auch nicht mehr loslassen. Auf meinen Touren nach Italien, Holland, NRW oder einfach nur täglich zur Schule oder Arbeit habe ich manches Mal vor Kälte, Nässe, Eis und Schnee nur so gebibbert. Meine Kreidler lief dennoch. Technische Probleme beschränkten sich auf die Standartprobleme wie z.B., dass die Zündkerze einen Faden gezogen hat oder der Kerzenstecker bei langen Regenfahrten nass wurde und der Funke irgendwo aber nicht an der Kerze sprang. Angekommen sind wir trotzdem immer. Wirkliche technische Probleme hatte sie insbesondere dann, wenn ich selber im Spiel war und Verbesserungen vornehmen wollte. Natürlich wollte ich sie schneller machen. Als technischer Laie zwar guten Mutes, das Ding doch irgendwie schneller zu bekommen, man hatte ja auch den einen oder anderen guten Tipp von Freunden gehört, habe ich dann schon einmal einen Vergaser mit dem großen Bohrer ruiniert. Oder einen Kolben eingesetzt der statt Leistungssteigerung eher Verzögerung brachte und obendrein den Kolbenring ruinierte, der wiederum den Zylinder anfraß. Ehrlich gesagt: Schneller als im Originalzustand ist sie nie geworden. Dafür hatte ich öfter schwarze Finger. Zu dieser Zeit hatte ich mir nichts sehnlicher gewünscht als eine Person, die etwas von der Technik versteht und mir die wirklichen Tipps und Ratschläge hätte geben können. Jemand, der mir fachmännisch erklären kann wie der Kreidler Motor funktioniert. Worauf man achten muss, wenn man am Kolben, Zylinder oder Vergaser hantiert. Wie die Einzelteile des Motors zusammenspielen. Wie man undicht gewordenen Simmeringe ganz einfach wechseln kann. Ohne sich die Finger blutig zu schlagen und das Gehäuse zu beschädigen. Welche Schraube wohin und mit welchem Drehmoment gehört. Usw. usw. Diese heimliche Sehnsucht einmal wirklich professionell zu erfahren und zu erleben wie das alles geht hatte ich bis von kurzem. Über 20 Jahre nachdem die Kreidler mein wichtigstes Fortbewegungsmittel war. Schließlich wollte ich sie wieder in einen schönen und fahrtauglichen Zustand versetzen. Und dann las ich in einer Oldtimerzeitschrift eine Anzeige der Firma Kreidler-Hill, Friedrichsdorf. Sie hätten alle Ersatzteile und böten sogar „Masterkurse“ an. Diese Kurse sollten genau das vermitteln was ich damals leider nicht erfahren durfte. Eine professionelle Analyse und Aufarbeitung des Kreidler Motors bei der man persönlich die Rolle des Mechanikers übernimmt. Geil. Erläuterung, Schulung am eigenen Objekt und gleichzeitig persönliche praktische Ausführung. Zwei Tage sollte der Kurs bei der Firma Kreidler-Hill dauern. Ich habe mich für einen Kurs im Sommer 2003 angemeldet. Vier Teilnehmer können maximal mitmachen. Soviel, voll ausgestattete, Arbeitsplätze sind vorhanden. Eine super Gruppengröße. Denn man kommt sich schnell näher, hat die gleichen Interessen und jeder kann jederzeit die nötige Hilfe von Herrn Hill erhalten. Wirklich klasse. Und aus meiner Sicht beinahe unbezahlbar für echte Kreidlerfans die keine Technikprofis sind aber Interesse an der Technik ihres Zweirades haben. Apropos beinahe unbezahlbar. Der Kurs kostet auch etwas. Derzeit 165,-- Euro. Die Kursgebühr finde ich aber eher zu vernachlässigen. Zumal man dafür zwei volle Tage wirklich professionelle Informationen und Unterstützung erhält. Herr Hill war Kreidler-Großhändler bis zur Insolvenz der Firma Kreidler Kornwestheim. Insofern kennt er aus erster Hand und langjähriger Erfahrung alle Details zu den Fahrzeugen. Und das merkt man jede Sekunde. Unterstützt wird Herr Hill von der lieben Uschi Lenz. Sie sorgt für das Rahmenprogramm während der zwei Kurstage. So z.B. für die klasse Verpflegung wie z.B. Bratwurst, Sauerkraut, Nudelsalat, Brote, Getränke etc. Alles im Kurspreis inbegriffen. Das ist wirklich o.k. Die Ersatzteilpreise sind fair und bezahlbar. Es handelt sich hier um originale und wirkliche Neuteile. Für eine seit langem nicht mehr existierende Firma war ich überrascht was die Firma Hill alles noch original liefern kann. Ich glaube, Herr Hill hat noch alles was man seiner Kreidler auch nur anschrauben möchte. Das ist wirklich einmalig. Der Kurs beginnt nach einigen einleitenden Worten und Informationen von Herrn Hill mit der Demontage des eigenen Motors nach Anleitung. Alle Spezial- und Normalwerkzeuge liegen bereit. Danach werden die Teile gereinigt. Gemessen und geprüft was defekt ist. Die Lager werden alle ausgetauscht. Murks gibt es nicht! (Zitat) Und nun muss man sich vorstellen, man zerlegt seinen eigenen Motor, stellt fest, dass etwas defekt ist. Normalerweise bricht dann zu Hause in der Garage die große Panik aus. Was jetzt? Herr Hill geht ins Lager, kommt nach einer Minute mit dem benötigten Neuteil wieder und die Motorrevision kann weitergehen. Toll! Am zweiten Tag wird alles wieder zusammengesetzt. Und alles klappt und passt reibungslos ohne Probleme. Der Motor sieht beinahe wieder aus wie neu. Herr Hill sagt: Der Motor muss spätestens beim zweiten Mal kicken anspringen. Ich war misstrauisch. Aber um es vorweg zu schicken. Es stimmte. Meine Kreidler sprang beim zweiten Kicken an, nachdem ich den Motor einige Tage später zu Hause wieder eingebaut hatte. Die zwei Tage des Kurses sind derart interessant und kurzweilig das man die Zeit völlig vergisst und der Tag nur so verfliegt. Meine Kreidler sieht heute besser aus als vor 24 Jahren als ich sie gebraucht kaufte. Der Motor ist wie ein Neuer nach der beschriebenen Überholung. Mein Moped ist jetzt wieder fit für ein drittes Mal nach Italien. So wie damals. In 2004 werden wir es tun. Übrigens, in der Zwischenzeit habe ich eine zweite Kreidler in Teilen ersteigert. Der Motor sieht zwar von außen gut aus, der Verkäufer hat versichert er läuft. Aber eine Überholung unter fachmännischer Aufsicht und im Rahmen einer so tollen Gruppe wie bei Firma Hill tut ihm sicher trotzdem gut. Im Frühjahr bin ich wieder Teilnehmer eines Masterkurses. Danke Herr Hill Hubertus Elster |